Fritz_Profil

100 Prozent Herzblut

Geneigter Leser, im folgenden wirst Du in das geheime Leben von Fritz Quadrata eingeweiht, eines Besessenen, dessen Obsession ihm nachts den Schlaf raubt und ihn an den Zeichentisch treibt, um mit blutunterlaufenen Augen all die Bilder aus dem Kopf aufs Papier zu bringen. Dies ist das FQ-Exklusiv-Interview mit einem, der sein verfluchtes Glück als Schattenwesen gefunden hat: Illustrator sein.

Interviewer (im folgenden “I”): Herr Quadrata, bitte stellen Sie sich selbst vor.

FQ: Gerne: Im normalen Leben heiße ich Dominik Friedrich und lebe und arbeite in Saarbrücken. Ich bin Mitinhaber und Art Director der FBO Gesellschaft für Marketing-Kommunikation. Wir entwickeln wirksame Konzepte, Designs und Kommunikationslösungen für unsere Kunden. Das kann eine Visitenkarte, eine Imagebroschüre oder eine Website sein; oder ein Messekonzept; oder… Uns ist es wichtig, dass unsere Maßnahmen wirken und da ankommen, wo sie es sollen – nämlich beim Kunden.

Katharina im Prager Belvedere Park

Noch was? Ja, ich bin verheiratet und lebe mit meiner Frau und unseren zwei Katzen in einem alten Bauernhaus in Saarbücken. Und seit 2009 bereichert Tochter Katharina unser Leben.

I: Okay, und wer ist jetzt Fritz Quadrata?

FQ: Fritz Quadrata ist mein illustratives Alter Ego, mein Schattendasein, mein Dr. Jekyll und Mr. Hyde, mein Hulk, mein Spyderman, mein Spirit. Fritz Quadrata erwacht meist erst zum Leben, wenn es draußen schon dunkel wird.

Fritz Qudrata – Illustration is communication
Fritz Quadrata ist eine Obsession: ein Illustrator hat immer Bilder im Kopf; und er hat die Fähigkeit, diese auf Papier zu bringen. Es ist Segen und Fluch zugleich: weil er es kann, muss er es tun. Es ist wie mit den Vampiren, die nachts auf Blutsuche gehen. Illustration ist ein Lebenselixier und besteht zu 100 Prozent aus Herzblut. Illustration ist die Freude am (Er)Schaffen und (Er)finden.

I: Aha, und wie fing es bei Ihnen an?

FQ: Mit Nieren und Penissen! Ja, ihr habt richtig gehört: Während meiner Zeit als Zivildienstleistender – das war irgendwann in den 80ern des letzten Jahrhunderts – habe ich für die Urologie der Uniklinik Mainz Op-Anleitungen und Fachbeiträge illustriert; schätze, dass ich mich da mit dem Virus Illustratus infiziert habe. Leider gab es damals in Deutschland wenig Möglichkeiten Illustration zu studieren; also habe ich mich, wie viele andere llustratoren auch, für ein Studium des Grafik-Designs entschieden.

I: Hm, und woher kommen die Bilder in Ihrem Kopf?

FQ: Ganz einfach: von aussen. Die Welt ist Inspiration: alles, was um mich herum geschieht, reflektiert im mir. Manche Dinge mehr, manche weniger stark: Große Leuchtkraft hat z.B. Literatur, Kunst, Design und Musik. Auch Personen im direkten Umfeld und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Eine Badewannenleuchte kann genauso inspirierend sein, wie die Musik von Björk oder die Plakatkunst von Alfons Mucha.

I: Und wie rücken Sie diesen Reflexionen zu Leibe?

“Zuerst mit dem Kreativwerkzeug Nummer 1: dem Bleistift. Die erste Fixierung eines “Kopfbildes” ist meist eine Strichzeichnung. Bei der Umsetzung sezte ich auf verschiedene Medien: Tuschepinsel, Acrylfarbe, Bunstifte, ein Wacom Intuos A5 wide Grafiktablett, Papierschneiden, ein Vektorzeichenprogramm, Taschenbücher, die die Welt nicht braucht. Da ich mittlerweile sehr stark auf digitale Medien setze, liegen die meisten meiner Arbeiten auch schon in digitaler Form vor. Das bringt einige Vorteile mit sich: neben der sofortigen Verfügbarkeit auch die Möglichkeit, schnell Änderungen vorzunehmen, zügige Datenweitergabe, direkte Platzierung in Dokumenten oder auf Websites.

I: Wie sehen Sie die Zukunft der Illustration?

FQ: Da bewegt sich im wahrsten Sinne des Wortes einiges. Illustrationen finden verstärkt ihren Weg in die digitalen Medien. Dort werden sie dann animert, kombiniert, erweitert oder reduziert. Da Illustrationen selbst Bilder im Kopf auslösen, werden sie sich immer wieder neu erfinden.

I: Was würden Sie gerne einmal illustrieren?

FQ: Oh, da gibt es einige Dinge: das Kinderbuch für meine Tochter, die im Sommer dieses Jahres das Licht der Welt erblickt, Orhan Pamuks “Rot ist mein Name”, Sanchez Piñols “Im Rausch der Stille“, Björks “The Hunter”, die Teetasse auf meinem Schreibtisch,…

I: Herr Quadrata, vielen Dank für dieses Interview.

FQ: Gerne geschehen. Wenn Sie vielleicht heute Abend Zeit hätten auf ein Gläschen Herzblut…

Das Interview führte Dominik Friedrich im Februar 2009; aktualisiert am 3. Juli 2011.